Habe gerade in einer Einladung zu einer Veranstaltung dies gelesen:

„Agile Teams brauchen Führung, um täglich Höchstleistungen bringen zu können.“

Warum ist das so, dass täglich (!) Höchst(!)leistungen erbracht werden müssen? Kann man das überhaupt? Würde es nicht bedeuten, dass die Leistung nicht nur an Tag 1 exzeptionell sein muss, sondern an Tag 2 höher und an Tag 3 nochmal höher usw.? Denn wenn immer nur dieselbe exzeptionelle Leistung erbracht wird, dann ist sie schon bald nicht mehr exzeptionell.

Wo wird eigentlich sonst täglich Höchstleistung erbracht? Das tun ja nicht mal (Höchst)Leistungssportler. Die erbringen sogar sehr selten Höchstleistungen; vor allem trainieren sie nämlich.

Mir kommt das wie ein Wahn vor, ständig Höchstleistungen anzustreben. Ganz davon abgesehen, dass mir grad nicht einfällt, wie jemand überhaupt beurteilen will, was eine Höchstleistung ist. Dazu braucht es ja einen absoluten Maßstab. Eine „Höherleistung“, als eine Mehrleistung im Vergleich zu einer anderen kann man leicht erkennen. Aber eine Höchstleistung?

Weiß der Manager eines bisher mittelmäßigen Teams, wann es eine Höchstleistung erbringt? Wohl kaum, denn wie soll schon das bisherige Mittelmaß als solches erkannt worden sein.

Mir ist das ein Rätsel. Und es scheint mir kontraproduktiv bis menschenverachtend, nach „täglichen Höchstleistungen“ zu streben.

Wer neue Mitarbeiter sucht und damit wirbt, Teil eines Hoch- oder Höchstleistungsteams zu werden, wäre für mich kein attraktiver Arbeitgeber.

Wer um Kunden wirbt und ein Höchstleistungsteam anpreist, wäre für mich kein glaubwürdiger Dienstleister.

Sich und sein Team täglich ein bisschen besser zu machen, scheint mir machbar, gar wünschenswert. Und gelegentlich auch mal eine deutlich bessere, eine echte Hochleistung zu erbringen, mag motivieren. Doch Höchstleistungen, gar tägliche… nein, da hört es bei mir auf. Das ist für mich Gier in einer anderen Form. So wird Raubbau an den Teammitgliedern betrieben.